28.06.2020
Landschaftsbild versus Energiegewinnung

Von Stefanie Platzek LZ vom 27.06.2020

Bruckberg: Dass die Energiewende ein schwieriges Thema ist, hat sich wieder am Donnerstagabend gezeigt. In der Turnhalle hatte die Gemeinde einen Erörterungstermin zur geplanten Photovoltaikfreiflächenanlage im Ortsbereich Reichersdorf angesetzt.

Rund ein Dutzend Besucher hatten sich eingefunden, darunter Gemeinderäte, Betreiber und Anwohner. Letztere waren wenig begeistert von den Plänen. Im Nachgang des Termins haben sich die Beteiligten dann auch dazu entschlossen, nochmals über Änderungen zu verhandeln. Möglicherweise folgt im Anschluss dann eine Planänderung.

Ein Punkt, den die Anwohner während des Erörterungstermins vorbrachten, war die Blendwirkung der geplanten Anlage, die in der Nordlage auf einem ansteigenden Gelände errichtet werden soll. Laut dem Landschaftsarchitekten Stefan Längst habe man die Anlage weiter abgerückt, sodass diese nun mindestens 200 Meter von der Ortsgrenze entfernt stehen soll. Grundsätzlich, so Längst, gehe man aber aufgrund von Studien davon aus, dass eine Blendwirkung ab 100 Meter vermieden werde. Zudem sei die Blendwirkung in Ost-West-Richtung am stärksten. Zur Sicherheit werde aber derzeit ein Blendgutachten erstellt.

Ein Grünstreifen als Puffer für die Anwohner

Auf den Vorschlag, das Gelände so zu bepflanzen, dass die Module nicht unmittelbar sichtbar sind, erwiderte Längst, dass dies schwierig sei, da das Gelände ansteige. Die obere Reihe werde man deshalb immer sehen können.

Von Seiten der Betreiber kam die Aussage, dass es im eigenen Interesse liege, dass die Bürger nicht beeinträchtigt würden. Als Beispiel für eine mögliche Bepflanzung wurde die ebenfalls von ihnen betriebene Anlage in der Münchnerau herangezogen, bei der Hecken und Blühwiesen angelegt wurden. Weil ein Weg an dem Gelände vorbeiführt und dieses als Naherholungsgebiet genutzt werde, gab es Bedenken, dass die Erholungswirkung aufgrund der Anlage beeinträchtigt werden könnte. Hier wies Längst auf den Grünstreifen von fünf Meter Breite als Puffer hin. Natürlich werde sich das Landschaftsbild verändern, so der Landschaftsarchitekt. Allerdings war dies auch beim Bentonitabbau schon der Fall.

Längst wies auch darauf hin, dass Studien ergeben hätten, dass das Maß des Gefühls der Beeinträchtigung davon abhänge, wie derjenige zu der jeweiligen Art der Energiegewinnung stehe. Wer also grundsätzlich Photovoltakanlagen positiv gegenüberstehe, finde sich leichter damit ab, eine vor seiner Haustür zu haben. "Das ist eine sehr individuelle Sichtweise, deshalb ist es schwer, eine allgmeine Lösung zu finden", sagte er. Aber man versuche, es so erträglich wie möglich zu gestalten. Außerdem sei die Anlage nicht für die Ewigkeit gebaut, sondern befristet und werde entsprechend zurückgebaut.

55 Prozent der Fläche in schlechtem Zustand

Er könne nicht garantieren, dass diese Fläche dann wieder landwirtschaftlich genutzt werden könne, antwortete er auf Nachfrage: "Ich bin kein Prophet." Das Gelände ist als Konversionsfläche ausgwiesen, dort wurde von 1978 bis 1984 Bentonit abgebaut. Bodengutachten zufolge sind 55 Prozent der Fläche in einem schlechten Zustand, was den Aufbau der Photovoltaikanlage ermöglicht. Diese verteile sich unterschiedlich auf die ganze Fläche, antwortete er auf die Frage, wo denn der gute Teil und wo der schlechte liege. Auch nach 40 Jahren sei der tiefe Eingriff noch nachweisbar, wenn auch nicht unbedingt für den Laien sichtbar. Längst verwies dazu auf ähnliche Abbaugebiete im Landkreis. Grundsätzlich sei es Entscheidung des Eigentümers, ob er diese Fläche zur Verfügung stellt.

Abschließend zeigte sich, dass das Projekt zumindest bei den anwesenden Anwohnern nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß. Dass aber eingereichte Stellungnahmen nicht an den Gemeinderat weitergegeben wurden, dagegen verwahrte sich der Geschäftsstellenleiter Jens Gehder. In der Gemeinderatssitzung seien nicht alle abgefragt worden. Aber: "Selbstverständlich wurden alle Fakten dem Gemeinderat vorgelegt." Auch Bürgermeister Rudolf Radlmeier wies darauf hin, dass das Landratsamt abschließend prüfe, dass keine "gute Fläche" vergeudet werde. "Wir werden uns doch nicht selber in die Tasche lügen und dann genehmigt das Landratsamt den Plan nicht." Er bat deshalb darum, in der Diskussion sachlich zu bleiben. "Mit der Anwohnerbeteiligung versuchen wir ja, den größtmöglichen Konsens zu finden."